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Wie wollen wir Arbeiten und wie wollen wir leben?

  • Prof. Dr. Uwe Genz
  • 22. Nov. 2018
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 27. Juli 2019

Was ändert sich zwangsläufig in naher Zukunft?


Zur Hauptaufgabe im Zeitalter von 4.0 (New Work) wird neben der Vermittlung von fachlich „digitalem“ Know How, eine permanente Weiterbildung in Sachen übergeordneter Fähigkeiten nötig sein. Darunter fallen unter Anderem die sogenannten Schlüsselkompetenzen.


Was verbirgt sich dahinter und wie ist das zu begründen?


Wenn durch die fortschreitende Digitalisierung der Transfer dazu führt, dass ganze Berufsbilder eingeschmolzen werden und alle z.Z. noch human ausgeführten repetitiven Arbeiten in sämtlichen Berufszweigen automatisiert werden, wird zunächst eine enorme Zahl von Arbeitskräften frei werden.


Das kann jedermann reflektieren, indem er geistig seinen Arbeitsbereich und Arbeitsalltag,

sowie sein erweitertes Umfeld nach repetitiven Arbeiten ab-scannt. Denn alles was sich

automatisieren lässt, wird automatisiert werden. In den durch Digitalisierung neu entstehenden Arbeitsbereichen werden allerdings sehr viele Arbeitskräfte benötigt. Die damit verbundenen veränderten Arbeitsbedingungen und Potenziale für die Arbeitnehmer/innen sind allerdings vielfach noch unklar und erzeugen daher Ängste. Bei den Veränderungen handelt es sich um vermehrte Planungstätigkeiten, Organisation, interpersonelle Kommunikation, Kreativität, abstraktes und vernetztes Denken, Deduktion, Analysen, usw.

D.h., in zunehmenden Maße sind übergeordnete Kompetenzen gefordert, die in den unterschiedlichsten Berufszweigen und Tätigkeitsbereichen fachübergreifend einsetzbar sind.

Das stellt die Gesellschaft vor wenigstens drei Probleme. Erstens haben Menschen aus repetitiven Arbeitsbereichen diese Fähigkeiten in der Regel nur unzureichend. Sie müssten darin geschult werden. Zum Zweiten ist zu berücksichtigen, dass die frei werdenden Menschen in der gesamten Breite gesehen zwischen 25 und 65 Jahre alt sind: die sich daraus ergebenden Qualifizierungserfordernisse sind daher sehr unterschiedlich. Beispielsweise wird altersgerechtes und generationsübergreifendes Lernen erforderlich. Schließlich, drittens, tragen auch unsere aktuellen Ausbildungen diesen Veränderungen nicht hinreichend Rechnung. Obwohl schon seit Mitte des ersten Jahrzehnts im 21. Jhd. deutlich nach Schlüsselkompetenzen gerufen und Empfehlungen durch die EU, etc. veröffentlicht wurden, findet sich dieser Aspekt nur unzureichend in der Praxis wieder. Das gilt auch für die Schulen und Vorschulen.


Wir ziehen also aktuell eine ganze Generation von Menschen heran, die auf das, was sie

erwartet, nicht gut vorbereitet sind. Sie sind mehr oder weniger auf sich selbst angewiesen,

diese Kompetenzen zu erwerben und dazu nützt es nur wenig, Handy und Computer fürs

Lernen benutzen zu können.


Mittlerweile ist allen klar, dass ein individuelles Arbeitsleben sich nicht in einem einzigen

Berufszweig, womöglich gar bei einem einzigen Arbeitgeber abspielt. Das sind Vorstellungen

aus der Vergangenheit.

Häufiger Wechsel der Tätigkeitsfelder, multiple Arbeitgeber, Projektarbeiten, wechselnde

Teams unterschiedlicher Kulturen, heterogene Kunden, usw. bestimmen zunehmend unseren Arbeitsalltag.


Das erfordert enorme geistige Flexibilität, Akzeptanz des Dauerzustands des Wechsels,

mentale Fitness, große Anpassungsfähigkeit und interpersonelle, kuturübergreifende

Kompetenzen.


Aus diesen Überlegungen ergibt sich ein weiteres Problem, übergeordnet zu den drei

genannten:

Wie kann man Menschen davon überzeugen, dass sie sich in dieser Situation befinden oder in Kürze befinden werden? Und spätestens hier kommen wir zu einem biologischen,

menschlichen Problem. Wenn wir unsere geistigen Fähigkeiten und Kräfte nicht in vielfältiger Weise konsequent und permanent (kontinuierlich) einsetzen, werden sie verblassen und zwar schneller als wir das bei ruhig gestellten Gliedmaßen am Muskelschwund mit bloßen Augen sehen können, nach Knochenbrüchen zum Beispiel.


Alles was der Mensch nicht benutzt wird abgebaut!

Das gilt für die geistigen Fähigkeiten in besonderem Maße. Dazu gibt es mannigfaltige

Untersuchungen und Literatur aus den letzten 40 Jahren.

Leider unterliegen dieser Entwicklung besonders Menschen in Arbeitsverhältnissen mit

redundanten Arbeiten, besonders dann, wenn sie nicht ausgeprägte, verschiedene Hobbys

pflegen.


Die Frage lautet nun, wie bekommt man die Menschen aus der unverschuldeten Situation, die sie selbst gar nicht bemerken, wieder heraus? Die gute Nachricht der Neurowissenschaft lautet, dass die mentalen Fähigkeiten wieder hergestellt werden können, allerdings muss es auf der betroffenen Seite zur Einsicht kommen.


Das ist die wesentliche Hürde!

Diese zu überwinden heißt, die Menschen müssen motiviert werden!

Hierbei spielt die Führungskultur in Unternehmen eine zentrale Rolle. Dem transformierenden Führungsstil wird eine entscheidende Bedeutung zukommen. Transformationale Führung heißt aber im Zusammenhang mit Arbeiten 4.0 die Schlüsselkompetenzen zu kennen und zu fördern, als da sind: lebenslanges Lernen, soziale Kompetenz, emotionale Kompetenz, interpersonelle Kommunikation, Kreativität, Organisationsfähigkeit, abstraktes und vernetztes Denken, Deduktion, Analysefähigkeit, usw. (Amtsblatt der Europäischen Parlaments L 394 vom 30.12.2006 und auch schon Fourastié 1954!).


Daher müssen Führungskräfte befähigt sein oder werden mit organisationalem Lernen,Wissensmanagement, Enterprise 2.0, Smart Collaboration, usw. geeignet umzugehen.

Es bedarf ausführlicher Mitarbeitergespräche und mehr Weiterbildung aus der hervorgeht, dass es auf die Stakeholder selbst wirkt, nämlich deren Intelligenz, dem Erhalt und der Verbesserung der geistigen Leistungsfähigkeit. Damit einher geht ein erhöhter Gesundheitsstand und es beugt nachweislich altersbedingten Krankheiten des cerebralen Systems vor, wie z.B. Alzheimer. Es gilt, die Neugier auf Neues und Veränderungen im Menschen zu wecken und sie triumphieren lassen über Unsicherheit und Angst. Wie man Selbstwertgefühle steigert, eines der psychischen Grundbedürfnisse, sollten wir erlernen, erfahren und anwenden können. Und nicht nur diese!(Klaus Grawe 2004) Denn der benötigte fachgebundene Kompetenzanteil wird weiter schrumpfen im Verhältnis zu den übergeordneten Fähigkeiten.


Die Metaebenen der Kompetenzen, wozu die Schlüsselkompetenzen gehören, müssen ausgebaut werden.

 
 
 

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